Heimische Hölzer im Gitarrenbau

Duesenberg Starplayer TV in der Testapparatur

Die Technische Universität Dresden und Duesenberg Guitars stellen die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Forschungsarbeit vor.

Spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem Bestimmungen rund um die CITES-Thematik den Gitarrenbau und -handel massiv beeinflussten, drängte die Zeit, um nach Alternativen für die Hölzer zu suchen, die seit Jahrzehnten den Gitarrenbau dominieren. Denn für Spezies wie Mahagoni, Ebenholz und andere, gefährdete Holzarten tickt die Uhr immer schneller, für brasilianisches Palisander ist sie bekanntermaßen bereits abgelaufen.

Verschiede Griffbretter

Was die Suche nach vollwertigen Alternativen grundsätzlich erschwert, ist die Tatsache, dass diese nicht nur die konstruktionstechnischen, optischen und klanglichen Eigenschaften von z.B. Palisander erfüllen müssen, sondern auch möglichst nachhaltig gewonnen werden sollen, damit sie langfristig eine echte Alternative sein können. Zudem wäre wünschenswert, gerade einheimische Hölzer in den Gitarrenbau integrieren zu können, sodass die artgerechte Aufforstung und Rodung nicht nur für alle Beteiligten transparenter wird, sondern auch durch kurze Transportwege ein möglichst kleiner CO2 Footprint hinterlassen wird und auch auf diese Art der Nachhaltigkeit des Produktionsprozesses dienen kann.

Griffbrett-Rohling
Die Modalanalyse

Mit diesem hohen Ansatz als Zielvorgabe erforschte die Professur für Holztechnik und Faserwerkstofftechnik an der Technischen Universität Dresden in Zusammenarbeit mit Duesenberg Guitars einheimische Holzarten wie Buche, Eiche und Robinie, um deren Eignung als Griffbrettholz und damit als hochwertige und gleichzeitig nachhaltige Palisander-Alternative zu untersuchen.

Der Fokus der Untersuchungen lag einerseits auf den Festigkeiten und Steifigkeiten als auch auf den akustischen Eigenschaften der einzelnen Griffbrett-Rohlinge (Schalldämpfungsverhalten, Frequenzspektren etc.) sowie deren Färbung und Maserung. Explizites Ziel war es, analoge Eigenschaften zum Indischen Palisander (Dalbergia latifolia ROXB.) herzustellen.

Da die untersuchten einheimischen Holzarten Buche, Eiche und Robinie in ihrem ursprünglichen Zustand für die Verwendung als Griffbrett-Holz nur bedingt geeignet sind, weil sie u. a. ein hohes Quell- und Schwindverhalten bei Klimaschwankungen aufweisen und die für den Gitarrenbau notwendige Konstanz nicht bieten können, wurde eine spezielle, kombinierte und von der TU Dresden entwickelte Verfahrenstechnik angewendet, um die Dichte und Farbe der Hölzer über den gesamten Holzquerschnitt zu modifizieren. Hierbei wurde u. a. die Holzstruktur in Form der Holzzellen dauerhaft komprimiert und die Strukturbausteine in der Zellwand des jeweiligen Holzes verändert.

Das Rohmaterial in der Presse

Darauf erfolgten diverse zerstörende und nichtzerstörende Tests, um die mechanischen und akustischen Eigenschaften der modifizierten Hölzer zu charakterisieren und insbesondere mit denen von Indischem Palisander zu vergleichen. Ebenso erfolgten Farbabgleiche und - wenn nötig - Farbanpassungen.
 
In diesen ausgiebigen Materialtests schälten sich Vorzugsvarianten der modifizierten Holzsortimente heraus, die hinsichtlich der mechanischen Eigenschaften, der Akustik und der Optik dem Indischen Palisander am ähnlichsten oder sogar besser waren. Aus genau diesen Materialvarianten wurden dann Griffbretter in den üblichen Maßen gefertigt und auf mehrere exakt baugleiche Gitarren (Duesenberg Starplayer TV) verbaut.

Vorbereitung zum Verleimen eines Griffbrettes mit dem Hals Die Verleimung des Griffbrettes Apparatur, in der eine Starplayer TV angeschlagen und vermessen wird Der Anschlag wird mechanisch erzeugt.

An diesen Gitarren erfolgten mechanische Anschlagtests, um möglichst objektiv das Attack und Sustain der Gitarren zu bestimmen. Andererseits spielte ein erfahrener Gitarrist mit verbundenen Augen die diversen Duesenberg Testgitarren, um subjektiv empfundene Eigenschaften wie beispielsweise Anschlagverhalten, Sustain, Klangfarbe und Klangvolumen aus Sicht des Musikers vergleichen und bewerten zu können.

Die Test-Gitarren: Duesenberg Starplayer TV mit Buche, Eiche, Robinie und Palisander Griffbrettern Als Ergebnis dieser Versuchsreihe konnten wir eindeutig feststellen, dass es tatsächlich möglich ist, das gute alte Palisander als Griffbrett-Holz durch einheimische Holzarten zu ersetzen - und dass, ohne klangliche, optische oder konstruktionstechnische Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Allerdings setzt die Verwendung von Buche, Eiche oder Robinie voraus, dass diese Hölzer einer wie von der TU Dresden entwickelten und oben beschriebenen Verfahrenstechnik unterzogen werden müssen, ehe sie die erwünschten Tonholz-Eigenschaften erfüllen können.

Dies sind positive Nachrichten für alle Gitarren-Hersteller und Musiker, denn die Forschungsarbeit der TU Dresden hat nicht nur bewiesen, dass es durchaus vollwertige Alternativen zu Indischem Palisander als Griffbrettholz gibt, sondern auch, dass diese Alternativen sogar aus heimischem Wald- und Forstbestand gewonnen werden können!

Die an der Fakultät Maschinenwesen angesiedelte Professur für Holztechnik und Faserwerkstofftechnik der TU Dresden forscht schwerpunktmäßig auf den Gebieten Holzbearbeitung, Holzmodifikation, Holzwerkstoffe und Verbundwerkstoffe.

Das Forschungsvorhaben wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Projektträger: AiF Projekt GmbH) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages (Förderkennzeichen: ZF4474501SU7 und ZF4100922SU7) gefördert. Wir bedanken uns sehr herzlich für die gewährte Unterstützung.

Ein genauso herzliches Dankeschön für die immens spannende und freundliche Zusammenarbeit geht an die Professur für Holztechnik und Faserwerkstofftechnik der TU Dresden und das ZIM (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand). Alleine die Möglichkeit von der Bundesrepublik Deutschland bekommen zu haben, an diesem Projekt intensiv forschen und arbeiten zu dürfen, war uns eine große Ehre.

Hannover, im Juni 2020

Ingo Renner
Geschäftsführer und Mitinhaber
göldo music GmbH / Duesenberg Guitars

 

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